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Donnerstag, 06. Dezember 2007

Zuhörer in ein Wechselbad intensiver Gefühle getaucht

Ausklang der Jazz- und Bluestage: Gospelchor Lingenfeld lockt 600 Besucher in Stadtkirche

Von unserem Mitarbeiter Matthias H. Werner

Alte Bekannte waren in die evangelische Stadtkirche gekommen, um die Jazz- und Bluestage einerseits ausklingen zu lassen: Der Gospelchor Lingenfeld lockte bei seinem sechsten Auftritt in der Rennstadt gut 600 Besucher in das Gotteshaus, das sich für diesen Anlass ganz besonders stimmungsvoll herausgeputzt zu haben schien: Warm strahlten die Herrnhuter Sterne durch das Kirchenschiff, in dem sich die Zuhörer drängten, als der Chor mit seinen 50 Sängern durch den Mittelgang Einzug hielt.

Mal aufrührerisch, mal zärtlich

Was danach folgte, war ein wirkliches Wechselbad der Gefühle. Mal aufrührerisch und stark durchrhythmisiert, mal ganz zärtlich und beinahe verhalten steuerte der Gospelchor aus der Nähe Germersheims mal durch ruhige Gewässer, mal durch aufgepeitschte See, das Publikum, das begeistert und gleichzeitig hoch konzentriert lauschte, immer ganz dicht im Schlepptau. Das ist, was der Gospel will: Die "gute Nachricht" in mitreißende Musik verpacken und so dem Zuhörer näherbringen - spirituelle Erfahrung mit Ohren, Mund und Herzen.

Das gelingt den Profis aus der Südpfalz bei jedem ihrer Konzerte spielend, wenngleich oder gerade eben weil sie sich nicht, wie die meisten Chöre ihres Genres, darauf beschränken, den afro-amerikanischen Stil nachzuahmen, sondern einen ganz eigenen, höchst individuellen, für das europäische Ohr aber eben auch sehr eingängigen Stil entwickelt haben.

Bekanntes und eher Fremdes

Dieser transformiert sowohl bekannte als auch weniger bekannte Beispiele der traditionellen und zeitgenössischen Gospel- und christlichen Musik.

Zudem wird diese in einer berührenden, sehr aufgeheizten, immer sehr atmosphärischen Weise aufbereitet, wobei meist ein deutlicher Schwenk in Richtung Pop eingeschlagen wird, was die Werke, wenngleich teilweise schon älter, erstaunlich frisch wirken lässt.

33 Jahre "Gos-Pop"

Die Lingenfelder und vor allem deren Gründer und musikalischer Leiter Meinhard Emling haben dadurch eine Art "Gos-Pop" geschaffen, mit dem man seit 33 Jahren tourt und der grandiose Erfolge verbuchen konnte. Zu diesen gehörte ohne Frage auch dieses Konzert, das einmal mehr einen Rausch der Begeisterung, auch der inneren Bewegtheit unter den Zuhörern wie den Sängern gleichermaßen auslöste. Dabei waren es gar nicht nur die Titel, die den frenetischen Jubel motivierten.

Zwar konnte man mit dem Gene- Maclellan-Titel "Put your hand in the hand", einem "Traditional Gospel Medley" oder dem aus dem Musical "Phantom der Oper" entliehenen "Wishing you where somehow here again" schon deutlich punkten. Aber was den Reiz der Lingenfelder ausmacht, ist neben dem musikalischen Gespür vor allem deren Talent für eine besondere Atmosphäre.

Viele exzellente Soli

Dazu trugen dem neben der sehr guten Inszenierung mit grandioser Begleitband und einer stimmungsvollen Licht-Choreographie die vielen exzellenten Soli bei: Auf Tuchfühlung mit den Zuhörern und immer mit Herzen bei der Sache.

Nach zwei Stunden gab es keinen Zweifel mehr, dass der Lingenfelder Gospelchor die Hockenheimer Herzen erobert hatte, von denen manch einer beim Hinausgehen noch eine Zeile aus Michael W. Smiths "You are holy" summte: "I will follow, I will listen, I will love you all of my day" (ich folge dir, höre auf dich, liebe dich bis zum Ende meiner Tage).

VON: HOCKENHEIMER TAGESZEITUNG